CAFÉ JOOS ERÖFFNET
„Zweites Wohnzimmer“ in der Stadt
Die Bezirksbaugenossenschaft Altwürttemberg (BBG) stellt der Allgemeinheit ein Ladenlokal zur Verfügung. Für Kornwestheim ist das ein völlig neues Angebot.
KORNWESTHEIM, VON THOMAS FAULHABER
An den großen Scheiben prangt das stilisierte Porträt von Karl Joos. Der Ehrenbürger der Stadt gründete 1907 die BBG. Ziel war und ist es, den Mitgliedern günstige Wohnungen zu vermieten. Der Verein hat aktuell 3200 Mitglieder mit 2350 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Der Schwerpunkt ist Kornwestheim mit einem Drittel der Mitglieder. Jeweils 500 sitzen in Ludwigsburg und Stuttgart.
Das Café Joos ist offiziell eröffnet, das rote Band haben durchschnitten: Der BBG-Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Bittlingmaier, BBG-Vorstand René Rhein, Kornwestheims OB Nico Lauxmann, Bürgermeister Daniel Güthler und Vorstand Eduard Schilling (von links). Foto: Andreas Becker
Eine einzigartige Einrichtung
Joos steht jetzt auch Pate für eine im Kreis Ludwigsburg einzigartige Einrichtung: ein „Wohncafé“. Es soll in Zeiten zunehmender Digitalisierung familiäre Strukturen und Begegnungen ermöglichen“, sagt der kaufmännische Vorstand der Genossenschaft, Eduard Schilling. Ehrenamtliche können den Raum für ihre Festlichkeiten bereits im interkulturellen Frühstück und ein Erzählcafé. Auch Nachbarn könnten sich zum Kaffeekränzchen treffen. Spieleabende sind ebenso denkbar wie eine Krabbelgruppe oder Seniorentreffs. Auch Profis könnten sich einmieten. Beispielsweise für Yogakurse oder Immobilienverwalter für Eigentümerversammlungen. Und nicht zuletzt wird die BBG den Laden selbst nutzen für interne Schulungen oder Workshops. „Das ganze Quartier soll von dem neuen Ort der Begegnung profitieren“, sagt Schilling.
Dadurch werde die Lebensqualität gesteigert, Gemeinschafts- und Sicherheitsgefühl gestärkt sowie Einsamkeit und „soziale Verarmung“ reduziert. Das Quartier und die Mitglieder erhalten damit ein „zweites Wohnzimmer“, einen Raum der Begegnung, der Kontakte, der Information. Kostenfreie oder günstige Angebote und Aktivitäten ermöglichten Teilhabe. Weiterhin würden Mieter professionelle Hilfe und Unterstützung bekommen. Das Wohncafé Joos sei eine Bereicherung für die Innenstadt, meinte Oberbürgermeister Nico Lauxmann bei der offiziellen Eröffnung. Es sei ein wichtiger Baustein für die Belebung der Innenstadt, von dem die Stadtgesellschaft profitieren würde. „Ich bin froh, dass hier ein generationsübergreifendes Projekt gestartet wird.“ Er kündigte an, dass auch die städtische Stadtteil-Integration die Fläche nutzen werde. Und der OB zollte der BBG Respekt, dass sie auf Mieteinnahmen für einen x-beliebigen Laden verzichte und sogar die monatlichen Fixkosten des Cafés trage.
Platz für bis zu 50 Menschen
Rund 200 Quadratmeter misst der barrierefreie Laden und bietet bis zu 50 Personen Platz. Hell und freundlich ist der Raum. Über die großen Fenster kommt viel Tageslicht herein. Hochwertig mit weißen Einbaumöbeln und einer vollwertigen Küche eingerichtet, wirkt er durch seine Höhe exklusiv und großzügig. Ausgestattet ist das Lokal mit professioneller Medientechnik. Eine schalldichte Faltwand als Raumteiler steigert die ohnehin vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zusätzlich. Auch die Fläche auf der bald verkehrsberuhigten Straße kann bespielt werden.
„Die Ausstattung zahlt die Genossenschaft. Außerdem verzichtet sie auf regelmäßige Mieteinnahmen und übernimmt alle laufenden Kosten. Teilweise refinanziert sich das Angebot über Fördermittel und Raummiete für private Veranstaltungen. „Unter dem Strich zahlen wir trotzdem ordentlich drauf“, meint Schilling. Das Projekt diene aber dem sozialen Auftrag der Genossenschaft und sei nicht auf Rendite aus.
Vermietung des Ladens gescheitert
Zwei Jahre lang versuchte die Genossenschaft, das Geschäft im Erdgeschoss der Güterbahnhofstraße 25 zu vermieten. Ohne Erfolg. Vor allem Betreiber von Shisha-Bars und Handy-Shops zeigten Interesse. „Das passt aber weder zu unseren Ansprüchen einer langfristigen Vermietung noch zur Lage“, sagt Eduard Schilling. Deshalb wurde zusammen mit dem Stuttgarter Verein „Integrative Wohnform“ die Idee des Wohncafés auch für Kornwestheim umgesetzt.
AKTUELLES PROJEKT
Genossenschaft baut 94 Wohnungen neu
Das neueste Projekt der Bezirksbaugenossenschaft Altwürttemberg (BBG) liegt in den Zeppelin-Gärten. Dort, zwischen Ost- und Nordstraße, besitzt die BBG 74 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 4.500 Quadratmetern, verteilt auf 14 Gebäude aus den 1920er Jahren. Sie werden abgerissen und das 6.500 Quadratmeter große Grundstück neu bebaut. Geplant sind 94 neue Wohnungen. Die jetzigen Bewohner werden in der Zwischenzeit in den Bestand der BBG „umgesiedelt“. Die Mieter wurden individuell begleitet und auch finanziell beim Umzug unterstützt, so Vorstand Eduard Schilling. Außerdem hätten sie Vorrang beim Neubezug am alten Standort. (tf)
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